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Theater gegen Rechtschreib-Schwächen Auch Agenten müssen lesen Lesen und schreiben lernen ist wichtig. Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner zeigen Kindern dies in Form eines Theaterstücks. Ein Auftragswerk des Instituts für Orthographie und Schreibtechnik.
Saarbrücken. Immer voller wird es in den Gängen des LOS Saarbrücken. Kinder wuseln herum, an die 90 mit Begleiter haben sich in dem Lehrinstitut für Orthographie und Schreibtechnik am Beethovenplatz angekündigt. Ein ganz besonderes Theaterstück extra für sie wollen sie sehen, die "Akte grün-gelb" geschrieben und gespielt von Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner. Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk quasi, wie Institutsleiterin Sandra Schwarz erzählt, auch als Dank für erfolgreiches Lernen und weiteres Motivationsmittel. Das LOS beschäftigt sich mit Lese- und Rechtschreibschwäche, unabhängig von Alter, Klassenstufen und Schulform. Ein grünes Stehpult mit Tastatur, eine dottergelbe Wand, ein Beamer, eine Tafel, davor die Kinderhorde in gespanntem Schweigen verharrend. Zuerst flimmert ein Film über die Leinwand, Schüsse und Fahndungsfotos von Alf (Tiefenbrunner) und Betti (Scheck), zwei kleine James Böndchen, die eine Agentenausbildung machen wollen. Denn dafür, denken sie sich, braucht man ja schließlich nicht zu lesen und zu schreiben. Falsch gedacht, ihr Chef (super: Jürgen Kirchhoff), von ihren angepriesenen Talenten zwar angetan, runzelt dennoch missmutig die Brauen ob der extrem fehlerhaften Rechtschreibung in ihren Bewerbungsbögen. Beamer stopp und schon stürmen Scheck und Tiefenbrunner in Kampfmanier mit großem Ausrüstungspaket die Bühne. Darin Plastikknarre, Zahnbürste, Trenchcoat, für einen wahren Agenten unabdingbar, und ein großes Bündel Buchstaben. Schnell finden die beiden heraus: Auch in diesem Job geht's leider nicht ohne Worte, wird ihr Auftrag doch schriftlich und viel zu schnell an die Wand gebeamt. Da kommen die beiden Langsamleser nicht mit. Aber aufgeben gibt's nicht, da muss man eben ran an die Buchstaben. Das Stück der beiden Schauspieler Tiefenbrunner, Mitbegründer des Kinder- und Jugendtheaters "Überzwerg" und Scheck, dort ehemaliges Mitglied, eine äußerst komische Mischung aus Schauspiel und Videoprojektion, sprüht nur so vor witzigen Einfällen, die genau den Geschmack der Kinder treffen. Still ist's schon lange nicht mehr, alles brüllt enthusiastisch durcheinander, um den beiden Möchtegern-Agenten zu helfen. Was stand da, Franz oder Frank, Fahrzeug oder Feuerzeug? Nein, tarnen, rennen, schießen, das reicht hier nicht. Und wie viel Spaß es macht, zu lesen und zu verstehen, kommt ganz deutlich rüber, ohne pädagogisch dröge zu sein. "Scheiß Leserei" motzt Alf zwar noch. Aber es geht schon viel besser mit den Botschaften, die in farbigen Koffern stecken, mit Buchstaben auf Bändern, die zu Noten werden, und mit Silben auf Zetteln. Mit der enormen Hilfe der Kinder werden aus Betti und Alf wohl doch noch Agenten. Scheck und Tiefenbrunner haben Kurse des LOS besucht und im Internet geforscht, um sich in die Materie zu vertiefen... Nun geht's damit noch zu anderen LOS-Instituten. Im Saarland gibt es sieben, insgesamt 200. Die Saarbrücker Kinder waren schon mal hellauf begeistert. rr Saarbrücker Zeitung 5./6.2.2005
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